Mein erster Blogartikel startet mit einem Lied: „Für immer jung, ein Leben lang für immer jung“. Musik hat einfach diese Kraft uns zu berühren, auszudrücken, wofür wir keine Worte haben, uns Hoffnung und Energie zu geben. Es gibt diese Lieder, die können wir in Dauerschleife hören, bis wir das Gefühl haben, die gesamte mögliche Energie des Liedes erfasst und aufgesaugt zu haben.
Was passiert mit uns und in uns, wenn wir in unserer Lebensmitte ankommen? Bushido singt davon, erreicht mit seinen Zeilen genau dieses subtile, vage Gefühl eines Abschiedsschmerzes:
Dieses Leben ist halt einfach kalt und schwer
Und jedes Jahr komm’n jetzt ein paar Falten mehr
Nichts ist für immer, wir wären gern für immer jung
Lass uns die Zeit, die bleibt einfach nur verbringen und Vergiss auch ein’n Tag den harten Job. Hol jetzt die Ray Ban, die Blue Jeans, sing für sie, Karel Gott.
Für immer jung, ein Leben lang für immer jung
Du musst dich an die schöne Zeit erinnern
Denn nichts ist für immer.
Die Lost Generation der Neunziger, die sog. Generation X, zu der Bushido Jahrgang 1978 und auch ich gerade noch so gehören und die ersten Millenials (die Generation ab 1981 bis ca 2010) spüren es gerade – die Krise der Lebensmitte. Noch vor ein paar Jahren war die sog. midlife crisis ein Phänomen für ältere Männer, Motorrad und junge Frau inklusive. Aber in der Lebensmitte passiert viel mehr – wir ziehen die erste Bilanz, wir stellen die Weichen noch einmal neu, hinterfragen Rollenbilder – „früher College-Jacken, jetzt der Anzug, du erkennst dich nicht“, haben wieder Zeit für uns, treffen möglicherweise schwierige Entscheidungen und verabschieden uns von Altem.
Mit 40, Anfang 50, da haben einige von uns schon mehrere Abschiede hinter sich: die Trennung vom ersten Freund, der Tod des heißgeliebten Hundes, einige Freunde sind gegangen, manche für immer. Die Eltern werden krank und schwach, sind vielleicht bereits verstorben, so mancher Traum ist begraben und die eigenen Kinder werden auch immer größer. Wir erkennen, dass wir einige Dinge, die wir lieben, nicht festhalten können und das einige Dinge, die wir uns gewünscht hätten, nicht mehr kommen werden. Das erzeugt ein leichtes Gefühl der Traurigkeit. Wir fühlen, wir sind nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht wirklich alt.
Wenn es uns gelingt, diese Phase für uns zu nutzen, um Dinge und Menschen gut zu verabschieden, die nächste Lebensphase neu zu planen, weiterhin Träume zu haben und Ziele zu erreichen, dann ist die Krise der Lebensmitte eigentlich keine richtige Krise, sondern mehr eine Phase des Wandels. Aus ihr wird Veränderung und Entwicklung möglich. Wir entwickeln uns weiter und bleiben gerade dadurch jung. Ein schöner Anlass, um zu feiern, das, was wir schon erreicht haben und das, was alles noch kommen wird. Ein Leben lang zu wachsen, dann geht es nicht ums altern, dann geht es ums jung alt werden.
Bushido singt mit Karel Gott und da schließt sich irgendwie wieder der Kreis – Karel Gott sang früher unser Biene Maya-Lied und performed jetzt mit Bushido. Irgendwie scheint trotz Alter alles möglich zu sein: „Ich werde einfach immer alles geben, ein Leben lang für immer jung.“
Hier der link zum Song: Für immer jung – Busido ft Karel Gott